International Council of Pastoral Care and Counsselling 
Report on congress Accra, Ghana 1999


 
Joachim Klein
- Delegierter für internationale Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Pa-storalpsychologie (DGfP)
- ehemaliger Sekretär des International Council on Pastoral Care and Counselling (ICPCC)
 

Bericht über den 6. Internationaler Kongress für Beratung und
Seelsorge vom 8 - 15. August 1999 in Accra, Ghana
 
 

Fakten:
Es ist der 1. Kongreß in einem 3.-Welt-Land nach Edinburg, San Francisco, Melbourne, Amsterdam und Toronoto (je 4 Jahre Abstand)

¨ ca. 170 Teilnehmer/innen aus allen Teilen der Welt, davon 14 Deutsche, viele aus Ländern der 3. Welt

¨ Thema: „Spiritualität und Kultur in der seelsorgerischen Praxis“

¨ Programm: täglich ein Hauptvortrag

10. August 1999
Prof. J. Masamba Ma Mpolo
Lecturer, Protestant Theological Faculty, University of Inshasa,
Democratic Republic of Congo

11. August 1999
Dr. Nalini Arles
Lecturer, Union Theological College, Bangalore, India

13. August 1999
Prof. Ronaldo Sathler-Rosa
President, Pastoral Care Network for Social Responsibility
Professor in Practical Theology, Methodist
University, Sao Paulo, Brazil

14. August 1999
Mrs. Epiphania E. Bonsi
Director, Conselling and Placement Centre,
University of Ghana, Legon

und dazu täglich reflektierende Kleingruppen;
daneben 8 Workshops zur Auswahl von den Teilnehmer/innen für Teilneh-mer/innen angeboten, Morgenandachten, von Teilnehmer/innen aus ver-schiedenen Nationen gestaltet,
zusätzlich ein Regionaltreffen nach Kontinenten, diverse Councilmeeting und Konferenz für Social Responsibility, Nach- und Vorkonferenz;
Kulturprogramme, Ausflüge, Bankett und Gottesdienste, alle 2 Tage eine Konferenzzeitung.

¨ Ort: Ghana Institute of Management and Public Administration (GIMPA), ne-ben der Universität von Accra
 

Wichtige Entscheidungen
des International Council on Pastoral Care and Counselling

1. Vorstandswahl

Präsident:
bisher Sten Lundgren (Schweden)
neuer Präsident: Emmanuel Lartey (Ghana),
Dozent für Theologie in Birmingham

Vize-Präsident:
bisher Mesach Krisetya (Indonesien)
neue Vize-Präsidentin: Dr. Ursula Pfäfflin (Dresden)

Sekretär:
bisher Joachim Klein (Deutschland)
neuer Sekretär: Jan van Arkel (Südafrika)
 

2. Nächster Kongreß des ICPCC:
2003 in Indien (Bangalore) mit Dr. Nalini Arles als Convenor
 

3. Das von Joachim Klein entwickelte Beitragssystem mit einer Staffelung ab-hängig vom Bruttosozialprodukt des jeweiligen Landes und Größe der Ge-sellschaft wurde verabschiedet.
 

Impressionen:

In einem Satz zusammengefaßt: Das Tagungsthema „Spiritualität und Kultur in der seelsorgerlichen Praxis“ hätte im Plural formuliert werden müssen.
Die Unterschiede in den Auffassungen waren gravierend und wurden kaum bewußt gemacht.

3 Beispiele:

1. Beispiel:
Ein afrikanischer Gottesdienst charismatischer Prägung
Soviel Rhythmus und Melodie, Gesang und Tanz, soviel Geschehen aus dem Augenblick, soviel Unbefangenheit in der Berührung löst in mir Gefühle von Freude und Nähe und auch ein wenig Wehmut über den Verlust von Spontanität aus.
Dann kommt die Predigt; mit Leidenschaft und Ausdauer variiert der junge Prediger einen einzigen Gedanken, den er den Sicherheitsanweisungen im Flugzeug entnahm: Man solle erst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen und dann Kindern oder Behinderten helfen, dasselbe zu tun.
In der Übertragung: also erst selbst glauben, dann helfen.
Die Gemeinde antwortet mit emphatischen Wiederholungen von „Amen“. Dazwischen werden 3 oder 4 Jesus-Lieder gelernt.
Für die Beteiligten wirkt es stimmig und doch blendet die Predigt wichtige Bereiche sozialer Wirklichkeit einfach aus: Wo bleiben die, die noch nie mit dem Flugzeug geflogen sind und auch nie fliegen werden, wo bleiben die ungelösten Probleme afrikanischer Länder, die uns sofort anspringen, so-bald wir das gepflegte Gelände des Instituts verlassen?

Wo bleibt der Raum für die ganz unterschiedlichen religiösen Empfindungen der übrigen Tagungsteilnehmer/innen?
Die Botschaft scheint zu sein: „Mach mit, dann wird alles gut.“ Ich mache mit und muß dafür vieles ausklammern.
 

2. Beispiel:
Ronaldo Sathler-Rosa aus Sao Paolo in Brasilien hält einen klugen und en-gagierten Vortrag über die Aufgabe der Theologie in Bezug auf die Ökono-mie am Beispiel von Brasilien. Er setzt Ökumene, Ökonomie und auch Öko-logie zueinander in Bezug (bei allen drei Begriffen geht es um das „ganze Haus“). Er entwickelt die ethische Forderung, daß die Theologie bei der Ö-konomie die Verantwortung gegenüber den Armen einklagen und vielleicht auch durchsetzen muß.
Sein Ansatz ist bristant für alle Länder der 3. Welt (natürlich auch für uns). Doch die Diskussion im Anschluß an den Vortrag nimmt kaum etwas davon auf.
Charismatische und befreiungstheologische Spiritualität bleiben voneinander getrennt. Und das wird nicht zur Sprache gebracht.
 

3. Beispiel:
Wissend um die Probleme des Dialogs auf internationalen Tagungen bieten wir einen Workshop an, bei dem wir für den nötigen Raum zum Erzählen und Zuhören sorgen. Wir fordern die Teilnehmer/innen auf, sich in 3-er Gruppen gegenseitig zu erzählen, wie sie die Heilungsgeschichte vom Gerasener (Mk. 3) in ihrer eigenen Gemeinde auslegen würden. Es kommt zu lebhaften Gesprächen. Die Unterschiede sind gewaltig. Sie reichen von der Ermuti-gung zum Exorzismus über die vehemente Aufforderung, dem Teufel abzu-sagen und sich Jesus zu unterwerfen, bis zur Aufforderung, sich selbst auch von religiösen Zwängen zu befreien.
Die kulturellen Unterschiede werden sichtbar. Es liegen Welten zwischen ei-nem säkularisierten Krebskrankenhaus in den USA und einer charismati-schen Dorfgemeinde in Nigeria. Diese Unterschiede sind zum einen interes-sant und bereichernd, dann aber auch schmerzlich.
Es ist schon viel gewonnen, wenn sie ausgehalten und nicht durch Beschwö-rungen überspielt werden, daß wir ja doch „alle an Jesus glauben“.
 

Folgerung:

Die gestellten Fragen kann man als Infragestellung solcher Kongresse und Be-gegnungen auffassen. Man kann sie aber auch als Herausforderung nehmen zur inhaltlichen Gestaltung der nächsten Kongresse.
Es bleibt mühsam und lustvoll zugleich.
Ich bin froh, daß der nächste Kongreß in Indien sein wird (und nicht wieder im Westen). Accra war schon ein großer Schritt in Richtung Dialog zwischen west-licher und afrikanischer Theologie. Indien wird hier einen Schritt weitergehen und uns auf weitere soziale, politische und religiöse Dimensionen aufmerksam machen.